Der Lavaredo 120K startet und endet in Cortina d'Ampezzo auf rund 1.210 m. Die Runde führt durch die östlichen Dolomiten, mit dem Hochpunkt an der Forcella Lavaredo (ca. 2.456 m), der zum Sonnenaufgang unterhalb der Drei Zinnen erreicht wird.
Streckencharakter
Der 120K ist die Königsdistanz des Lavaredo Ultra Trail: lange Anstiege und technische Abstiege im Dolomitengelände, unterbrochen von schnelleren Talabschnitten. Prägend ist der Nachtstart um 23:00, der die erste Hälfte und den Hochpunkt an den Drei Zinnen in Dunkelheit und Morgendämmerung legt. Die entscheidende Belastung liegt in der zweiten Hälfte: Nach der Life Base Cimabanche bei km 67 stapeln sich die Anstiege Richtung Col Gallina, Rifugio Averau und Passo Giau auf müden Beinen. Das Profil belohnt eine kontrollierte Nacht stärker als aggressives Tempo auf den ersten Kilometern.
Vier Akte statt einer gleichmäßigen Runde
Den 120K liest man am besten als vier eigenständige Akte, nicht als einen durchgehenden 120-km-Lauf.
- Nachtstart im Tal. Von Cortina arbeitet sich der Kurs durch die Dunkelheit nach Ospitale und zum ersten harten Cut-off an der Passo Tre Croci. Die frischen Beine und die Nacht verleiten dazu, zu schnell loszulaufen.
- Der Hochpunkt an den Drei Zinnen im Morgenlicht. Der Anstieg über Misurina und das Rifugio Auronzo zur Forcella Lavaredo (ca. 2.456 m) erreicht den Hochpunkt des Kurses zum Sonnenaufgang, meist mit Kälte und Exposition, bevor der lange Abstieg zur Life Base Cimabanche folgt.
- Die entscheidende zweite Hälfte. Ab Cimabanche stapelt sich die Kletterarbeit auf müden Beinen: Malga Ra Stua, der lange Zug über Malga Travenanzes zum Col Gallina, danach die steile Wand zum Rifugio Averau und weiter zum Passo Giau.
- Der Schlussgrat nach Cortina. Vom Passo Giau führt der Kurs am Rifugio Croda da Lago vorbei und fällt zurück nach Cortina zum Ziel im olympischen Eisstadion.
Schlüsselanstiege und Abstiege
Aus dem offiziellen Stationsprofil gelesen, sind die entscheidenden Belastungen konzentriert, nicht gleichmäßig verteilt:
- Ospitale → Passo Tre Crocikm 18.7–28+657 m71 m/km
- Misurina → Forcella Lavaredokm 42.6–52.5+749 m76 m/km
- Cimabanche → Malga Ra Stuakm 67.5–77.1+533 m56 m/km
- Col Gallina → Rifugio Averausteilsterkm 97.7–101.9+470 m112 m/km
Das Muster bleibt gleich: Der 120K legt den Hochpunkt an den Drei Zinnen nach vorne und die steilste Kletterarbeit nach hinten. Die kurze Wand vom Col Gallina zum Rifugio Averau ist der steilste Abschnitt des Tages und fällt nach km 97, wenn Beine und ein möglicher zweiter Nachtabschnitt bereits gegen dich arbeiten.
Untergrund und Gelände
Der 120K ist Dolomiten-Berggelände, kein laufbares Wald-Ultra. Die erste Hälfte ist trügerisch freundlich: breite Schotter- und alte Militärstraßen, Waldwege und längere flüssige Abstiege lassen dich gut laufen, nur die engen Serpentinen und der Anstieg zu den Drei Zinnen deuten an, was kommt. Der Preis folgt in der zweiten Hälfte, und er ist eher muskulär als vertikal.
Der steinige Abstieg von den Drei Zinnen fordert Füße und Oberschenkel, das Tal nach Malga Ra Stua und Malga Travenanzes mischt losen Kalkstein, Wurzeln und Bachquerungen, und die Schlusskilometer bringen felsigen, wurzeligen Pfad vor einem langen Abstieg vom Rifugio Croda da Lago, der die Beine stärker beendet als die Uhr. Kurzer Asphalt taucht in Misurina sowie an Start und Ziel in Cortina auf. Treffender als eine lange laufbare Strecke ist die Beschreibung: technischer Dolomiten-Bergweg, dessen Schwierigkeit sich in lose, felsige Abstiege nach hinten verlagert, statt sich in einer steilen Wand zu konzentrieren.

Navigation und Markierung
Der Kurs ist mit reflektierender Markierung ausgeschildert, die das Licht der Stirnlampe einfängt, sodass die Nachtabschnitte navigierbar bleiben, solange du die Markierungen im Blick behältst. Der Veranstalter nutzt keine Farbe auf den Wegen, und die Regel ist eindeutig: Wenn du keine Markierung mehr siehst, kehr um. Tagsüber und im vollen Feld ist Navigation selten das Problem, schwieriger wird sie auf der einsamen, technischen zweiten Hälfte bei Nacht und Nebel, wenn müde Läufer plötzliche Richtungswechsel übersehen. Der erste schmale Singletrail nach dem schnellen Start ist zudem ein bekannter Engpass, rechne dort eher mit Anstehen als mit Tempo.
GPX-Download
Der GPX-Download ist auf der Lavaredo-120K-Rennseite verfügbar.

