Der Wild 70 verbindet Kandersteg mit Crans-Montana. Die offizielle Strecke misst 72 km mit 4.600 m D+; die GPX-Auswertung ergibt 70,4 km und rund 4.355 m D+. Der Kurs ist ein Schweizer Alpenmix aus steilen Pässen, laufbaren Panoramapassagen, technischen Bergwegen und dem ausgesetzten Finale am Bisse du Ro.

Streckencharakter
Wild 70 ist nicht durchgehend eine schroffe Skyrunning-Strecke, aber klar alpin. Der erste Anstieg zur Bunderschrinde kommt fast ohne Einrollen, danach folgen Adelboden, Sillerebüel und Hahnenmoospass mit mehr Rhythmuswechseln und laufbaren Abschnitten. Der eigentliche Renntag entscheidet sich nach Lenk: Iffigenalp, Cabane Wildstrubel, Rawil und der lange Weg nach Tseuzier bündeln Höhe, Exposition und Ermüdung.
Vier Akte statt einer gleichmäßigen Linie
Den Wild 70 liest man am besten als vier eigenständige Akte, nicht als einfache 70-km-Verbindung.
- Kandersteg und der frühe Alpen-Test. Vom Start steigt der Kurs direkt zur Bunderschrinde. Das ist der erste Filter und kein guter Ort, um die eigene Startwelle zu jagen.
- Adelboden, Sillerebüel und Hahnenmoos. Dieser Mittelteil wirkt schweizerisch laufbarer, bleibt aber ständig wechselnd: breite Wege, Hänge, Passagen über Weiden und technische Abschnitte wechseln sich ab.
- Lenk bis Cabane Wildstrubel. Der wichtigste Hochgebirgsblock steigt über Iffigenalp zum höchsten Bereich der Strecke. Wind, Nebel, Schnee auf Restfeldern und langsameres Vorankommen sind hier realistische Planungsfaktoren.
- Rawil, Tseuzier und Bisse du Ro. Nach dem Hochpunkt ist der Kurs nicht erledigt. Der lange Abstieg, der Stausee und der ausgesetzte Bisse-du-Ro-Abschnitt verlangen Konzentration, wenn die Beine schon schwer sind.

Schlüsselanstiege und Abstiege
Aus den offiziellen Stationsdaten gelesen, sind die Belastungen nicht gleichmäßig verteilt. Der steilste Block liegt nach Iffigenalp, also genau dort, wo bereits über 40 km in den Beinen sind:
- Kandersteg → Bunderschrindekm 0–10.7+1214 m113 m/km
- Adelboden → Sillerebüelkm 18.1–27.3+959 m104 m/km
- Lenk → Iffigenalpkm 36–44.4+561 m67 m/km
- Iffigenalp → Cabane Wildstrubelsteilsterkm 44.4–50.1+1224 m215 m/km
Der härteste mentale Abstieg beginnt nach dem Rawil-Sektor. Auf dem Papier verliert der Kurs viel Höhe Richtung Tseuzier, praktisch wechseln Abstieg, Querung und technische Passagen. Genau deshalb ist der Schluss nach Barrage de Tseuzier kein Cooldown, sondern ein letzter Konzentrationstest.
Untergrund und Gelände
Der Kurs mischt alpine Bergwege, Wiesen- und Weidepassagen, Schotter, steile Abstiege und ausgesetzte Querungen. Bunderschrinde ist der erste klare alpine Marker: ein steiler Anstieg und danach ein loser Schotterabstieg, der eher Trittsicherheit als Tempo verlangt. Der Block Iffigenalp bis Cabane Wildstrubel ist der zweite, mit steinigem Hochgelände und ausgesetzten Abschnitten am Berghang. Bisse du Ro bringt zum Ende einen spektakulären, aber aufmerksamkeitsintensiven Abschnitt, einen in den Fels gehauenen Weg mit einer langen Hängebrücke von rund 120 m, wo müde Beine und Exposition zusammentreffen.



