
Das ist die Austragung, in der angekündigte Gewitter die Strecke einen Tag vor dem Start von 107 auf 74 Kilometer kürzten. Übrigens mussten auch die anderen Rennen angepasst werden: Der ZUT100 wurde auf die ursprüngliche Zugspitz-Ultratrail-Strecke gekürzt, und der Ehrwald Trail lief auf derselben Strecke wie der Zugspitz Ultratrail. Das ist mein Bericht Abschnitt für Abschnitt aus dieser Nacht: die Splits, was die Anstiege mit meinen Beinen machten, und die eine bewusste Entscheidung, die mein Rennen prägte.
Kurzfassung
- Ziel in 9:29:34, 65. der Gesamtwertung, 1. in der Altersklasse, 59. der Männer, 2:22:12 hinter dem Sieger. 74,5 km und 3296 Höhenmeter, gewertet in der 100-km-Kategorie, 3 Running Stones.
- Die Strecke wurde am Tag vor dem Start von 107 auf 74 km gekürzt. Grund waren Temperaturen über 30 °C ab Mittwoch und die Prognose von Gewittern mit Blitzschlag, deren Gewitterzellen möglicherweise aus dem Raum Allgäu und Außerfern heranziehen würden. Der Start wurde auf Freitag, 21:30 Uhr in Leutasch verlegt.
- Ziel A lag bei rund 9h00min, Ziel B war schlicht das Finish. Bis zuletzt war ich nicht sicher, ob meine gereizte Sehne rechtzeitig wieder belastbar war. Ziel A habe ich fast erreicht, und die Sehne hielt das ganze Rennen.
- Weil die Distanz gekürzt wurde, fiel der geplante Drop-Bag-Punkt in Hubertushof einfach weg. So viel zur geplanten Strategie.
- Die kürzere Distanz veränderte die Strategie. Ich ging bewusst härter vom Start weg, um nicht auf verstopften Trails festzustecken. Das verschaffte mir freie Bahn durch die Nacht, rächte sich aber am letzten großen Anstieg.
Inhaltsverzeichnis
Splits und Ergebnis
| Abschnitt | km | Zeit (kum.) | Segment | D+ (kum.) | Platz |
|---|---|---|---|---|---|
| Start (Leutasch) | 0 | 0:00 | - | 0 | - |
| V4 Hämmermoosalm | 8 | 0:54 | 0:54 | 408 | 197 |
| V5 Hubertushof | 21,6 | 2:54 | 2:00 | 1104 | 164 |
| V6 Mittenwald | 30,2 | 3:47 | 0:53 | 1213 | 150 |
| V7 Schloss Elmau | 40,1 | 4:53 | 1:06 | 1542 | 109 |
| Partnachalm | 50,6 | 6:15 | 1:22 | 2058 | 73 |
| V8 Laubhütte | 53,6 | 6:36 | 0:21 | 2200 | 74 |
| V9 Hochalm | 58,6 | 7:39 | 1:04 | 2904 | 69 |
| V10 Tröglift | 67 | 8:51 | 1:11 | 3296 | 68 |
| Ziel (Garmisch) | 74,5 | 9:29:34 | 0:39 | 3296 | 65 |

Vor dem Start
Mein Lauftraining 2026 kam vor dem ZUT-Start auf rund 2300 km, aufgebaut nach der Methode von Jason Koop, mit Blockperiodisierung und geländespezifischer Vorbereitung. Dieselbe Planungslogik steckt hinter meinem Trainingsplaner nach Koops Methodik, und die Belastung verfolge ich mit dem FIT-Analyzer. Über die letzten drei Wochen fuhr ich das Training zurück, inklusive zweiwöchigem Tapering. In genau diesen drei Wochen schonte ich außerdem die gereizte Sehne im rechten Bein.
Die Entscheidung, die das Rennen wirklich veränderte, fiel am Donnerstagnachmittag. Der Veranstalter kürzte die Strecke von 107 auf 74 km und verlegte den Start auf 21:30 Uhr in Leutasch. Grund war die Gewitterprognose über dem exponierten Grat. Gemischte Gefühle: Wut, Enttäuschung, Traurigkeit. Mental stellte ich mich auf einen leichteren Ultra ein. Leicht wurde er dann überhaupt nicht.
Mein Startplan war einfach: in 9 Stunden durch. Plan B, falls alles andere scheiterte, war schlicht, ins Ziel zu kommen. Mehr plante ich nicht. Innerlich war ich ruhig. Ich hatte mich auf die volle Strecke vorbereitet, aber am Donnerstagnachmittag existierte dieses Rennen plötzlich nicht mehr.
Das Rennen, Abschnitt für Abschnitt
Start in Leutasch bis Hubertushof, km 0 bis 21,6
Das Rennen startete schließlich um 21:40 Uhr mit 808 Läufern. Vierzig Minuten früher, um 21:00 Uhr, waren die Läufer des Ehrwald Trail über dieselben ersten Kilometer gestartet, 216 Teilnehmer. Mehr als tausend Stirnlampen auf derselben Strecke in der Nacht.
Die kürzere Distanz machte es verlockend, vom Start weg etwas mehr zu drücken, aber der eigentliche Grund war das Gelände. Schmale Waldtrails, kaum Platz zum Überholen an den Anstiegen. Ich hatte das Gefühl: Wenn ich zu langsam hineingehe, bleibe ich stecken. Die ersten 8 km zur Hämmermoosalm lief ich mit 8,9 km/h und 408 Höhenmetern. Für einen Nachtanstieg mit vollem Rucksack war das zügig.
Dann kam der Anstieg zum Scharnitzjoch, 2048 m ü. NHN, der höchste Punkt der Nacht, und ein schwieriger, technischer Abstieg nach Hubertushof. Nasse Felsen, steiles Gelände, ständiges Bremsen und volle Konzentration. Früherer Regen hatte die Luft abgekühlt, die Bedingungen waren also nicht die schlechtesten.
Was ich aus diesem Abschnitt mitgenommen habe: Vor Hubertushof zog sich das Feld nicht auseinander. Ich wählte den schnelleren Beginn, weil ich den ersten Anstieg nicht im Tempo eines anderen laufen wollte.
Hubertushof bis Schloss Elmau, km 21,6 bis 40,1
Nach Hubertushof öffnete sich das Gelände. Endlich zog sich das Feld auseinander. Breite Wege, fast wie eine Autobahn. Der Abschnitt nach Mittenwald war nahezu flach, eine willkommene Verschnaufpause, der schnellste Teil des ganzen Rennens. Hier lief ich unter sechs Minuten pro Kilometer.
Dann folgte welliges Gelände bis Schloss Elmau, leicht bergauf, tiefe Nacht, und ich lief meist allein. Keine Zweifel. Die Verpflegungsstationen unterwegs waren gut bestückt: Wasser, isotonisches Getränk, Näak-Waffeln. In dieser schweißnassen Nacht zählte das. Ich blieb bei dem Rhythmus, den ich mir für die Nacht vorgenommen hatte: einfach, ruhig und ohne die Dunkelheit größer zu machen als sie war.
Was ich aus diesem Abschnitt mitgenommen habe: Zwischen Hubertushof und Schloss Elmau bekam ich endlich Raum zum Laufen. Ich kämpfte hier nicht. Ich sammelte Plätze, aß und trank im Rhythmus und hielt die Nacht ruhig vor dem zweiten großen Anstieg.
Schloss Elmau bis Hochalm, km 40,1 bis 58,6
Von Schloss Elmau bis Partnachalm war das Gelände wellig, mit einem kräftigen Abstieg zur Brücke über die Partnachklamm und einem scharfen Anstieg zurück nach oben. Dann ein kurzes Stück zur Laubhütte und der Anstieg zur „ZEGAPA“ Cheering Zone am Ausgang des Jägersteigs: fünf Kilometer und mehr als 700 Höhenmeter, 4,6 km/h, fast eine Stunde im Gehen. Schon vor 6 Uhr morgens standen dort Zuschauer und feuerten uns an. Dafür war ich dankbar, und ich bin es immer noch.
Kurz nach der Laubhütte brach die Dämmerung an. Meine erste Stirnlampe gab den Geist auf, ich wechselte zur zweiten. Ich stieg mit Stöcken, aber die Kraft ließ nach. Es gab keine einzelne Ursache. Die Beine brachen nicht ein. Es war eher ein "das System sagt: langsamer" über den ganzen Körper, obwohl noch etwas Reserve da war. Statt zu forcieren, stieg ich ruhiger, und genau dort verrann die Zeit.
Das war der Preis für den schnellen Start. Das fühlte sich an wie der Central Governor, der mein Tempo drosselte, weil ich den Beginn überzogen hatte. Der Osterfelder in der Morgensonne gab schließlich ein wenig neue Energie.
Was ich aus diesem Abschnitt mitgenommen habe: Der Anstieg zur Hochalm war die Stelle, an der ich für die frühe Freiheit bezahlte. Es war noch etwas Reserve da, aber ich konnte sie nicht mehr in die Kraft verwandeln, die ich wollte.

Hochalm bis ins Ziel, km 58,6 bis 74,5
Nach der Hochalm kam noch etwas Anstieg, durch den Bereich um den Osterfelder und das Hupfleitenjoch, dann ein Abstieg von rund 1300 Höhenmetern. Die ersten zweihundert Meter bergab waren sehr technisch, und ich hatte das Gefühl, sie besser laufen zu können. Irgendwo vor dem Tröglift wurde die Strecke wieder laufbar. Ich versuchte zu drücken, aber die Kraft kam nicht wie von selbst zurück. Gut bergab zu laufen ist eine eigene Fertigkeit, und in diesen ersten technischen Metern hatte ich das Gefühl, sie nicht so gut genutzt zu haben, wie ich es gekonnt hätte.
Die letzten 7,5 Kilometer ins Ziel nach Garmisch lief ich mit 11,5 km/h und überholte dabei noch ein paar Leute. Ich überquerte die Ziellinie nach 7 Uhr morgens, also fand für mich fast das ganze Rennen in der Nacht statt. Im Ziel waren Freude und Dankbarkeit. Dass der Körper gehalten hatte. Dass der Kopf nicht nachgegeben hatte. Dass die Arbeit der letzten Monate Sinn ergeben hatte.
Was ich aus diesem Abschnitt mitgenommen habe: Der letzte Abstieg nach Garmisch war für mich noch laufbar. Ich konnte dort noch ein paar Plätze gutmachen, aber nur, weil die Beine vorher nicht komplett zerfallen waren.
Die Schlüsselentscheidung
Die Ausgangslage: ein Startfeld von mehr als tausend Läufern, die ersten Kilometer auf schmalem Singletrail und Anstiege, auf denen Überholen unmöglich ist. Für mich bedeutete ein langsamer Einstieg das Risiko, Zeit hinter jemand anderem zu verlieren, im fremden Tempo.
Die Wahl: vom Start mehr Kraft investieren und sich freie Bahn schaffen, oder Energie sparen und das Nadelöhr in Kauf nehmen.
Was ich getan habe: Ich ging härter an. Ich bekam freie Bahn und lief die ganze Nacht mein eigenes Tempo.
Der Preis: Am Anstieg zur Hochalm drosselte der Central Governor mein Tempo, obwohl noch etwas Reserve da war. Diese paar Minuten sind der Unterschied zwischen den erreichten 9:29 und dem geplanten Ziel A. Ich bezahlte für die Freiheit, und ich wusste, dass ich bezahlte. Mit diesem Feld und meiner Art zu laufen würde ich dasselbe Risiko wieder eingehen.
Was ich aus der Nacht mitgenommen habe
- Start bis Hubertushof: Ich entschied mich früh für Position. Das gab mir Raum, erhöhte aber auch den Preis der Nacht.
- Hubertushof bis Schloss Elmau: Das war der ruhigste Teil meines Rennens. Ich lief, aß, trank und ließ das Feld auseinanderziehen.
- Schloss Elmau bis Hochalm: Hier kam der frühe Aufwand zurück. Die Beine brachen nicht ein, aber das ganze System wurde langsamer.
- Hochalm bis Garmisch: Ich hatte noch genug übrig, um die letzten Kilometer gut zu laufen, aber nicht genug, um die am Anstieg verlorene Zeit zurückzuholen.
Ausrüstung und Verpflegung, die funktioniert haben
Im Rennen nutzte ich Maurten-Produkte und griff an den Stationen nur zu Waffeln. Grob 60 bis 65 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde. Keine Magenprobleme, obwohl mein Magen ohnehin meist zuverlässig ist. In der warmen Nacht nahm ich zusätzlich Salztabletten. In dieser Nacht reichte das.
- Schuhe: La Sportiva Prodigio Pro. Haben sehr gut funktioniert. Der einzige Kritikpunkt: ab und zu gerieten kleine Steine in den Schuh. Gamaschen würden das wohl lösen.
- Rucksack: Salomon Active Skin 12.
- Stöcke: Leki Ultratrail FX.One SL.
- Verpflegung: 4× Maurten Drink Mix 320, 5× Maurten Gel 160, 1× Maurten Gel 100 CAF 100, 2× Näak Ultra Energy Waffeln, 3 Salztabletten, Wasser und isotonisches Getränk nach Gefühl.
- Stirnlampe: Ich hatte eine zweite Stirnlampe dabei, und ich brauchte sie. Die erste fiel vor der Dämmerung aus.
Nach dem Rennen
Im Rückblick fühlte sich die verkürzte Strecke nicht wie eine kleinere Version des Rennens an. Sie wurde zu etwas Eigenem: schneller vom Start weg, dichter im ersten Teil, und immer noch bergig genug, um jede frühe Entscheidung sichtbar zu machen.
Ich kam mit dem Ergebnis heraus, auf das ich gehofft hatte, auch wenn es nicht genau das Rennen war, auf das ich mich vorbereitet hatte. Ziel A war nah, die Sehne hielt, und das Risiko am Start war eines, das ich bewusst einging.
Dieser Artikel ist ein persönlicher Rennbericht aus der verkürzten Austragung 2026 des Zugspitz Ultratrails.
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